Stichworte aus dem Versuch, eine Gesellschaft der Piraten zu definieren

Filed under: Piraten — Aleks A @ 18:57

Es war ein interessanter – und wie ich meine geglückter – Versuch. Wir haben natürlich nicht die Gesellschaft der Piraten fertig definiert und können uns daran machen, sie aufzubauen. Aber ich hatte den Eindruck, Gedankenprozesse gestartet zu haben. Und das war mein Wunsch. Nun kommen Stichwortartig Notizen dazu.

Den Anfang machte ich mit einer Aussage des immer lesenswerten Marcel-André Casasola Merkle, die Piraten würden „Größtmögliche Entfaltung des Individuums bei maximaler Chancengleichheit“ suchen. Eine Aussage, die ich grundsätzlich teile, und die in der Tradition einen Jeremy Benthams steht.

Auf der Eingangsbasis habe ich im Vortrag Konzepte aus anarchistischen und liberalen Theorien angerissen, um den Gedankengängen einen Stubs zu geben. Dabei stellte ich kurz die Gesellschaftstheorien (inklusive meiner Meinung) von: Max Stirner (Egoistischer Anarchismus), Proudhon (Kollektivistischer Anarchismus, fand weite Verbreitung im Anarcho Syndikalismus), um dann allgemein über den klassischen Liberalismus zu reden wie auch über die sozialliberalen Tendenzen des Liberalismus im letzten Jahrhundert.  Das alles in ca. 15 Minuten, ha!

Danach kam das Angebot an die Teilnehmer, ihre Konzepte einzubringen, sich an den vorgestellten zu reiben… zu diskutieren und uns alle damit intellektuell reicher zu machen. Das sind die Notizen, die ich mir gemacht habe. Ich habe sie nummeriert, damit wir uns auf die Zahlen beziehen können, wenn wir (hoffentlich rege) darüber diskutieren:

  1. Piraten streben eine angst befreite Gesellschaft an, in der Misstrauen untereinander abgebaut wird
  2. Die Menschen sind zu dumm für Anarchie, „Anarchie ist „Störungsanfällig“, kann von anderen missbraucht werden“ (Kann das nicht jede Gesellschaftsform? Die aktuelle ist von den Lobbys gekapert worden, und den großen Unternehmen)
  3. Wir sollten die „Anthropologische Konstanten“ beachten, an die jede Utopie bis dato gescheitert ist, dafür ist die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten erheblich voran gekommen.
  4. Menschen müssen mit der Freiheit klarkommen, den Menschen brauchen Grenzen und Strukturen als stützen, Strukturen sind jedoch nicht gleich Herrschaft.
  5. Die Piraten sollten überlegen, was für ein Menschenbild sie anstreben.
  6. Die Kultur der Piratenparteien hat sich Online gebildet, deren Gesellschaftsstruktur komm ohne Grenzen, ohne Hierarchien aus, unter Menschen mit hohem Bildungsgrad, siehe auch die „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“.
  7. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass wir es mittlerweile mit heterogenen Gesellschaften im I-Net zu tun haben.

Vielen Dank an alle Teilnehmer für die reichhaltige Teilnahme. Ich hoffe, wir können weiter an den Konzepten arbeiten für eine Gesellschaft der Piraten.

Sobald es ein Video der Veranstaltung gibt werde ich gerne dahin verlinken.

Ich möchte an dieser Stelle auch auf die Notizen hinweisen, die Urbanpirate zu einer ähnlichen Veranstaltung am Tag danach im Barcamp gemacht hat.

7 Kommentare »

  1. Die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace wird mittlerweile selbst von ihren Verfassern verworfen.

    Es gibt sicherlich große Schnittmengen mit dem Mises Institute im Patent und Urheberrechtsbereich. Piraten erobern durch ihre Praxis, ihre Theorie wird durch ihre Praxis evident. Die Idee über ihre Praxis, wird darum am besten empirisch oder phänomenologisch „aufscheinen“. Das Handeln bestimmt das Bewusstsein.

    Wenn wir dem normativen Individualismus folgen, ergibt sich ein Menschenbild allenfalls empirisch. Übliche Praxis ist die Wahlkämpfer, Medieneliten und Entscheidungsträger anderer Parteien herauszufordern, mit ihnen sprachmächtig in Dialog zu treten. Daraus könnte man nun eine Lehre über die Praxis ableiten. Oder aber etwas anderes ausprobieren.

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    Comment by Andre — 5. Oktober. 2010 @ 19:54

  2. @Andre Jeanpol, Julia und ich wollen in nächster Zeit den Versuch Unternehmen, ein Menschenbild zu definieren – empirisch, anhand der „anthropologischen Konstanten“, die er sehr zurecht in den Ring warf.

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    Comment by Aleks A — 5. Oktober. 2010 @ 20:22

  3. Freut mich. Eigentlich ist die sache relativ einfach: wir müssen die grundbedürfnisse, die wissenschaftlich bereits definiert sind, in den vordergrund rücken und überlegen, welche strukturen für deren befriedigung optimal sind. Als foderungen gibt es bereits die menschenrechte, die ähnliches systematisch aufarbeiten. Hier ein Aufsatz von mir dazu (nur den anfang lesen):
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/guido

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    Comment by jean-pol martin — 6. Oktober. 2010 @ 06:36

  4. Zugegeben, ich muss mich mit dem auseinandersetzen, was du Grundbedürfnisse nennst, aber ist das nicht eine arg hedonistische Sicht der Dinge? Lassen wir uns komplett davon leiten, ohne normative Richtlinien?
    Ganz auf Frankfurter Schule? „Normative Kraft des Faktischen“?

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    Comment by Aleks A — 6. Oktober. 2010 @ 11:13

  5. Keineswegs hedonistisch. Schau dir mal kurz die Grundbedürfnisse nach Maslow an: „physiologisch bed.“ „sozialer Anschluss“, „soziale Anerkennung“, „Selbstverwirklichung“ usw… Ohne Regeln geht das nicht. Und wenn du dir mal die Menschenrechte anschaust, die lehnen sich exakt an die von mir aufgelisteten Grundbedürfnisse an. Wir brauchen die Menschenrechte, damit die größtmögliche Zahl der Menschen ihre Bedürfnissen befriedigt bekommen. Das Ganze ist dann sehr kohärent:
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Menschenbild#Menschenbild_Stand_Oktober_2010

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    Comment by jean-pol martin — 6. Oktober. 2010 @ 11:25

  6. wenn du den anfang meines aufsatzes liest, wirst du sofort verstehen, was ich meine:
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/guido

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    Comment by jean-pol martin — 6. Oktober. 2010 @ 11:26

  7. […] Nachlese von des Referenten […]

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    Pingback by openmind #om10 « theTJ IT- & Web-Solutions — 8. Oktober. 2010 @ 15:18

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