Schockstarre

Filed under: Piraten — Aleks A @ 08:21

beschreibt sehr gut mein Zustand, als ich erfuhr, daß die Piraten in NRW nur 1,54% geholt haben – weniger als bei der Bundestagswahl. Da hatte uns Forschungsgruppe Wahlen doch vorletzte Woche 3% prognostiziert und dann das hier.
Verschiedene kleine und große Lehren sollten die Piraten hier herausnehmen:
1.) Bei kleinen Parteien irrt Forschungsgruppe Wahlen gewaltig.
2.) Es bestätigt sich meine Befürchtung bezüglich der Pressearbeit in NRW. Sie war grottenschlecht.
3.) Die Piraten etablieren sich als sechsgrößte Partei der Bundesdeutschen Landschaft. Auch schon was. We’re here to stay.
4.) Ein Komplettprogramm ist nicht unbedingt die Lösung, wenn er so schnell, gar überstürzt entschieden wird. Ist ok, NRW hatte nicht viel Verschnaufszeit nach der Bundestagswahl. Zwar bleibe ich ein Freund des Komplettprogramms, aber den sollten wir Schritt für Schritt und mit bedacht aufstellen.
5.) Piraten stehen sich selber in der Öffentlichkeitsarbeit im Weg. Ich will auf Bingen warten, aber ich glaube, daß der Individualismus der Piraten kanalisiert gehört. Sie kommen mir im Moment vor wie die Anarchisten im Spanischen Bürgerkrieg (i.e. sie schiessen unter Umständen auf sich selber aus lauter Desorganisation – vid. „Hommage to Catalonia“ von George Orwell)

Die Piraten Bewegung in Deutschland ist gestolpert. Aber nun heißt es aufzustehen, sich den Dreck aus den Kleidern putzen, die Steine genau zu überprüfen, über die wir gestolpert sind und weiter machen. Deutschland und die Welt brauchen uns. Sie brauchen unseren Tritt in den Hintern.

8 Comments »

  1. Ich würde nicht sagen, dass das Ergebnis enttäuschend ist oder gar „schockierend“.
    Wie du schon sagst, war das Wahlprogramm eilig beschlossen und im Vergleich dennoch zu wenig konkret. Das darf uns aber nicht entmutigen. Unsere Themen sind außerdem vornehmlich Bundesthemen, weswegen sich der Wahlkampf teilweise auch sehr schwierig gestaltet hat.
    Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten fünf Jahren als stärkste außerparlamentarische Kraft in NRW von uns zu Überzeugen wissen. Soviel Zeit sollten wir uns mindestens geben.
    Bei der Entwicklung werden uns sicher auch die kommenden Wahlen in den anderen Bundesländern behilflich sein.

    Comment von Marcel — 10. Mai. 2010 @ 08:30

  2. Hallo Aleks,

    ich hatte zwar nicht mit drei oder mehr, sondern mit 2,8 Prozent gerechnet und lag damit auch dramatisch daneben. Entsprechend bin ich nicht besonders zufrieden mit dem Ergebnis.

    Über die Pressearbeit in NRW kann ich nicht viel sagen, aber daran alleine wird es nicht gelegen haben. Das Programm der NRW-Piraten ist ganz brauchbar, aber die Zeit es zu kommunizieren reichte nicht aus, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist es auch wesentlich zus ehen, wie wir bundesweit wargenommen werden. LTW sind fast immer auch von der Bundespolitik geprägt, und da spielen wir thematisch keine Rolle.

    Deswegen brauchen wir eine Programmerweiterung, dafür brauchen wir Struktur und Koordination. Die Frage, wie schnell es geht, stellt sich nicht, denn wenn wir nicht in einer der nächsten Wahlen erfolgreich sind, dann sind wir auch Geschichte, wie viele andere Parteien.

    Also, dass Tempo muss unsere Fähigkeit entsprechen, neue Inhalte zu vereinbaren. Das wird durch Struktur und Koordination unterstützt.

    Wir sollten Bingen dringend dafür nutzen, aus dem individualistischen Klein-Klein herauszukommen und eine Bewegung werden. Derzeit beschäftigen wir uns mit weitgehend untauglichen Mitteln, mehr mit uns selber, als mit dem politischen Gegner.

    Ich freue mich darauf, Dich in Bingen kennenzulern.

    Arvid

    Comment von Arvid — 10. Mai. 2010 @ 08:34

  3. Die Piraten-Bewegung in Deutschland ist gestolpert, da sie einzig auf der Zensursula-Welle gesurft ist und ein Kanal für die deshalb Unzufriedenen war. Mehr als (wenige) Pressemitteilungen zu aktuellen Themen und nahezu sinnlosem Aktionismus wie nackt auf Flughäfen herumzulaufen kommt “draußen” nicht an – und meist nicht einmal dies.

    Ich gehe davon aus, dass sich das ändern wird, wenn wir Piraten unser internes Chaos in den Griff bekommen haben, aber es ist schon sehr schade, dass wir nicht einmal in der Lage sind, aus den VIELEN aktuellen Themen wie JMSTV, Acta, #censilia etc. pp. eine greifbare und kommunizierbare Meinung zu generieren.

    Genauer gesagt ist außer Pressemitteilungen nicht einmal eine Aktion zu erkennen, geschweige denn eine europäische Zusammenarbeit der unterschiedlichen Piratenparteien bei den wichtigen europäischen Themen. Die Wahl war deshalb auch eine Ohrfeige für uns und sollte niemanden überraschen.

    Comment von Oliver — 10. Mai. 2010 @ 08:42

  4. 1. Ja wir müssen professioneller werden.
    2. Nein, wir dürfen nicht so werden wie die anderen.
    3. Die Demoskopen irren nicht nur bei den kleinen Parteien, sie irren vor allem bei den neuen Parteien (kaum Abschätzung des systematischen Fehlers im Befragten-Panel möglich)
    4. Wir sollten den Individualismus nicht kanalisieren sondern als Chance begreifen.
    5. Wir sollten allerdings die „Misstrauens-Eskalation“ einzudämmen versuchen.
    6. Auch wenn ich es gegenüber einigen angebracht finde, Misstrauen zu haben.

    Ob wir gestolpert sind, muss sich noch herausstellen. Wir sollten über das NRW-Ergebnis auch im Zusammenhang mit der „Großwetterlage“ diskutieren: Die Wahl war schon stark geprägt von der als real angenommenen Polarisierung Rüttgers oder Rot-Grün.

    Aber wir müssen besser werden: In der Kommunikation, in der Präsentation und bei den Inhalten (vor allem jenen, die wir bislang nicht als „Kernthemen“ begriffen haben).

    Comment von etz_B — 10. Mai. 2010 @ 08:45

  5. @Marcel: Mich enttäuschen weniger Wähler als bei der Bundestagswahl, weniger % als bei der Bundestagswahl, weniger % als Forschungsgruppe Wahlen uns vorhergesagt hatten (Naja, Statistik wird schwieriger, umso weniger Material du hast.)

    Zu dem Rest deiner Aussage Full ACK. Entweder übernehmen die Etablierten unsere Standpunkte oder wir verbreitern unsere Wählerbasis. Eine Partei, die sich für Bürgerrechte und soziale Solidarität jenseits marxistischer Kampfparolen einsetzt hat Deutschland bitter nötig.

    @Arvid: Nicht schon nach BaWü das Handtuch werfen! Wir müssen viel Arbeit reinstecken, um voran zu kommen. Die erste Million ist bekanntlich immer die schwierigste. Das „Individualisten Klein-Klein“ ist tatsächlich unsere Achillesferse.

    Zu den Strukturen: Wir brauchen eine bessere Kommunikation. Damit meine ich nicht noch eine Kommunikationsmöglichkeit, sondern eine saubere Kommunikation. Das hat der Bundesvorstand sehenden Auges nicht hinbekommen. Auch dafür gehören sie abgewählt.

    @Oliver: Das Problem sind m.E. auch die vielen Themen. Wir können nicht alle besetzen, versuchen es trotzdem und verheddern uns. Wir haben nicht das Personal, wir haben nicht die Zeit (Alle verbraten weiterhin ihre Freizeit!), viele von uns haben nicht die Erfahrung. Und in NRW, das weiß ich aus erster Hand, wurde nicht auf diejenigen gehört, die Erfahrung haben. Da kam sowohl der Individualismus wie auch das dazwischen, was ich „Ingenieur Denke“ nenne: „Ich bin Spezialist in meinem Gebiet und liege dort immer richtig. Also liege ich immer richtig, wenn ich mir eine Meinung bilde. Denn keiner ist besser auf mein Gebiet, keiner kann mir entsprechend außerhalb davon was sagen.“

    PMs vs. Aktionen: Grundsätzlich richtig, in der täglichen Arbeit teilweise richtig. Hier kann ich nur von Bayern reden. In BY werden viele Aktionen auf lokaler Ebene gefahren, es wird viel Basisarbeit gemacht: Stichwort SchülerID und SchülerDatenbank.

    Doch auch in Bayern müssen wir besser werden, strategischer denken, uns fokussieren. Ich habe da ein Paar unreife Ideen, was wir in BY machen müssen und darüber hinaus.

    Was die internationale Zusammenarbeit angeht: Da bekomme ich leicht was mit, das läuft an. Bedenke, daß wir eine verdammt junge Bewegung sind und vieles aufbauen müssen.

    Überrascht hat mich das Resultat nicht. Überrascht hätten mich angesichts der Unzulänglichkeiten in NRW eher die 3%

    Aber wir wären nicht die Partei der Vernunft, wenn wir nicht genau aus unseren Fehlern lernen. Die Themen sind weiterhin da, Censilia geht uns schon bald auf die Nerven und De Maiziere ist ja nur ein Wolf im Schafspelz.

    Es gibt viel zu tun. Der Augiasstall von 30 Jahren inmobilistischer Politik gehört gesäubert. Immer Schritt auf Schritt.

    Comment von Aleks A — 10. Mai. 2010 @ 09:08

  6. @etz_B: Bitte richtig verstehen. „Individualität kanalisieren“ heißt nicht, sie einzudämmen. Sondern ihr eine Richtung geben, den Individuen einen gemeinsamen Ziel geben, auf das alle hinzuarbeiten.

    Was meinst du mit “Misstrauens-Eskalation”?

    Comment von Aleks A — 10. Mai. 2010 @ 09:16

  7. Die LTW2010 in NRW war ein voller Erfolg betrachtet man die vorhandenen Mittel, Ressourcen und Umstände. Du schreibst von der Prognose 3%, es wurde aber auch geschrieben mit dem Hinweis +/- 2%, da es in diesem kleinen Segment sehr schwer ist etwas zu berechnen oder vorherzusagen. Ich stand auch vor der schwierigen Entscheidung „Rüttgers abwählen“, d.h. Zweitstimme an die Grünen, denn ein paar Stimmen bei den Grünen mehr und die Koalitionsverhandlungen wären jetzt einfacher oder Ehrenkodex einhalten und beide Stimmen den Piraten. Habe mich für das Letztere entschieden. Es werden aber viele Sympathisanten der Piraten Gedanken wie ich gehabt haben. Der Erfolg der Grünen in NRW beruht nicht nur auf deren Programm. Der Anteil bei den Jungwählern (18-29) war 7% bei den Piraten, gleich hoch wie bei den Grünen.

    Comment von Panther77 — 13. Mai. 2010 @ 18:17

  8. @panther Was du schreibst hat Hand und Fuß. Die Großwetterlage hat die Resultate sicher beeinflusst.

    Da ich aber kurzzeitig mitgeholfen habe weiß ich, daß vieles nicht so gelaufen ist, wie es hätte laufen sollen. Auch der BV hat sich einiges vorzuwerfen.

    Daß wir bei den Jungwählern auf einer Ebene mit den Grünen waren finde ich persönlich traurig. Die Grünen werden jetzt wie vorher jede Kröte schlucken. Hauptsache, sie bleiben an der Macht.

    Wir hätten mehr bekommen sollen. Bei den Jungen wie auch allgemein.

    Comment von Aleks A — 13. Mai. 2010 @ 18:29

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