Die Zielgruppen der Piraten

Filed under: Piraten — Aleks A @ 19:59

“Mist” – um mit Bernd das Brot zu reden. Ich wurde bei Twitter überzeugt, meine Gedanken zu veröffentlichen, wer denn unsere “Zielgruppe” wäre. Also, hier meine extrem ungeordneten Gedanken:

Grundgesetz treue Bürger
Die Piraten sind wertkonservativ. Sie wollen Werte wie Freiheit, Demokratie, Ehrlichkeit (unter anderen Werten) vor den Fängen der Etablierten retten, die zum Schutze von wem auch immer vor was auch immer den Bürgern alle Freiheiten wegnehmen wollen, alle Mündigkeit absprechen wollen.
Piraten wollen mündige Bürger, starke Bürger in einer starken, wehrhaften  Demokratie, die vor nichts und niemanden Angst hat.

Freiheitlich denkende Menschen, die sozial eingestellt sind
Freiheit ist das oberste Gut einer Demokratie. Auch die Freiheit, Fehler zu machen. Der Staat sollte sich um die kümmern, die stolpern, und ihnen auf die Beine helfen. Ein starker, gesunder Staat gängelt nicht die Schwächeren und verpasst denen keinen Tritt mit asozialen Sprüchen wie “Spätrömische Dekadenz” (Westerwelle, FDP). Er hilft Schwächere in deren Zeit der Not und erkennt, dass es zwar unter Ihnen auch welche geben wird, die die Hilfe missbrauchen, die Mehrheit jedoch selber laufen möchte im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.
Vergessen wir nicht, dass auf jeden EUR “Sozialmissbrauch” 1.400 EUR Steuerhinterziehung kommen. Wo ist das größere Problem?

Progressiv denkende Menschen
Die Piratenpartei ist die einzige progressive Partei Deutschlands. Sie ist die erfolgreichste Partei Neugründung seit dem Ende des Kalten Krieges. Auch – aber nicht nur – wegen des jugendlichen Durchschnittsalters (Wir sind als Partei jünger als die “Junge Union”, der “Jugend”organisation der CDU/CSU) sind Piraten bereit, alte Pfade zu verlassen, wenn sie keinen Sinn in ihnen sehen.
Piraten probieren mit Bedacht und Vernunft Neues. Denn Deutschland ist in den letzten 30 Jahren stehen geblieben und erstarrt in alten, neoliberalen Lösungen. Die natürlich keine Lösung sind.

Kämpfer für die Bürgerrechte
Entgegen dem leeren Gelabere andere Parteien wählen Piraten grundsätzlich die Seite der Bürger und die Lösung, die Freiheit vor Kontrolle stellt, Rechte vor deren Einschränkung. Piraten wählen die Freiheit der Selbstverantwortung gegenüber den Mauern vermeintlicher Sicherheit durch Aufgabe der eigenen Rechte.
Die Bürgerrechte sind gezielt und gewollt im Grundgesetz als Abwehrrechte gegenüber dem Staat aufgestellt. Ein deutscher Politiker, gar Innenminister wie Friedrichs (CSU), dem diese Tatsache nicht bewusst ist und der gegen Beschützer der Bürgerrechte polemisiert erfüllt Gesetzestreue Bürger mit Fremdscham und sollte unter dem Stein zurückkriechen, aus dem er und seine Geisteshaltung hergeschleimt sind.

InFragesteller jeglicher (Macht)strukturen
Alles gehört hinterfragt, alle Strukturen und insbesondere Machtstrukturen. “Das haben wir immer schon so gemacht” bedeutet nicht, dass es heute noch passend ist. Eine Entscheidungs- oder Machtposition muss man sich verdient haben und weiterhin verdienen.
Auch deswegen sind Piraten Radikaldemokraten. Bei der Piratenpartei stellt sich jeder Vorstand jährlich dem Votum der Basis. Und das ist auch gut so.

Kurzum: Unsere Zielgruppe sind Freiheitliche Menschen, die erhobenen Hauptes selber denken und mit Freiheit mehr anfangen können als mit Repression und Bevormundung.

Ich bin gespannt auf eure Meinungen und auf zusätzliche “Zielgruppen”, die euch so einfallen.

12 Kommentare »

  1. Du hast es ziemlich gut abgedeckt, aber eine wichtige Gruppe hast du vergessen: Die Geeks, Netzmenschen und IT’ler, die unsere internetausdruckenden Politiker und ihre internetfeindliche Gesetzgebung (Urheberrecht, Forenhaftung, usw.) nicht mehr ertragen können und wollen.

    Kommt gut an! Daumen hoch 6 Daumen runter 2

    Comment by Name (erforderlich) — 23. Juni. 2011 @ 02:25

  2. piraten sind radikaldemokraten? das muss ich verpasst haben. schließlich bist du doch selbst mitglied in einem entscheidungsberechtigten, repräsentativen vorstand. und noch dazu wehrst du dich gegen basiseinbindungstools. nur keine delegierten zu haben ist noch lange nicht basisdemokratisch oder gar radikaldemokratisch. ich lachte ob deiner hybris. sorry wegen dieser kritik aber ich gehöre nunmal zu den InFragestellern jeglicher (Macht)strukturen ;)

    korbinian

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 2 Daumen runter 2

    Comment by korbinian — 24. Juni. 2011 @ 15:11

  3. Du hast sicher Belege für die Behauptung, ich würde mich “gegen basiseinbindungstools wehren”, oder?

    Sonst bleibt es eine “ad hominem” Attacke.

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 2 Daumen runter 2

    Comment by Aleks A — 24. Juni. 2011 @ 15:41

  4. kann dich ja einfach direkt fragen: würdest du dich denn von meinungsbildern die aus einem tool wie liquid feedback rausfallen direkt steuern lassen? wenn nicht, wie soll radikaldemokratie umgesetzt werden? aktuell kann der vorstand zwischen den parteitagen ja tun was er für richtig hält (dafür wurde er gewählt). die basis hat nur die möglichkeit ihn abzuwählen. mit basisdemokratie hat das aber wie gesagt rein gar nix zu tun. wird zeit mal mit diesem piratigen quatsch-selbstverständnis aufzuräumen, oder es tatsächlich zu leben (im rahmen der fdgo natürlich, was zb eine rätedemokratie schwierig macht).

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    Comment by korbinian — 24. Juni. 2011 @ 17:13

  5. Ausgeblendet weil niedrig Kommentarbewertung. Klicken, um zu sehen.

    Kommt schlecht an Daumen hoch 0 Daumen runter 3

    Comment by korbinian — 24. Juni. 2011 @ 17:22

  6. Diese Formulierung habe ich so nicht getroffen. Zitier’ mich richtig oder lass es ganz bleiben

    Du bist weiterhin den Beweis schuldig, dass ich mich “gegen basiseinbindungstools wehre”. Kommt da noch was?

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    Comment by Aleks A — 24. Juni. 2011 @ 20:01

  7. ok stimmt – hier das original: “Manche Menschen können’s eben nicht mit Argumenten, gell @korbinian?” <- nicht ad hominem? antworte doch einfach auf meine frage, kann sein dass ich dich falsch einschätze – dann tuts mir leid und ich nehm alles zurück.

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    Comment by korbinian — 24. Juni. 2011 @ 20:37

  8. Aber natürlich ist es ein ad hominem. Schlag Mal “Ironie” und “Selbstironie” nach.

    Und nein, ich werde deine Frage schlicht nicht antworten, bist du mir einen Beleg für deine Eingangs betätigte Aussage bringst dass ich mich “gegen basiseinbindungstools wehre”.

    Allen Anschein nach findest du keins, was mich nicht wundert.

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    Comment by Aleks A — 25. Juni. 2011 @ 07:25

  9. kann gut sein dass ich mich täusche. evtl hab ich da auch was verwechselt. wenn ad hominem attacken wenn sie (selbst)ironisch sind ok sind kannst du mir meine kaum vorwerfen. ich wollte dich eigentlich gar nicht blöd anpimmeln – mich würde einfach deine meinung zu imperativen mandaten, rätedemokratie usw interessieren. mein frage war ja weniger ob du für oder gegen basiseinbindungstools bist sondern ob du als vorstand entscheidungen aus solchen tools für dich oder andere auch als verbindlich ansehen würdest (und damit eben ferngsteuert wärst). rein hypothetisch und so…

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 0 Daumen runter 2

    Comment by korbinian — 25. Juni. 2011 @ 23:34

  10. wenn es dich dazu bewegt auf meine fragen zu antworten nehme ich hier meine vorwürfe gegen dich zurück: hiermit nehme ich meine vorwürfe gegen dich zurück.

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 2 Daumen runter 2

    Comment by korbinian — 25. Juni. 2011 @ 23:36

  11. Ausgeblendet weil niedrig Kommentarbewertung. Klicken, um zu sehen.

    Kommt schlecht an Daumen hoch 0 Daumen runter 5

    Comment by korbinian — 25. Juni. 2011 @ 23:38

  12. Ad 1. Stellen wir zum Einen fest, dass es keinen Beleg gibt für deine Aussage, ich würde mich “gegen basiseinbindungstools wehren”. Wäre auch schwer, weil sie nicht den Tatsachen entspricht.

    Ad 2. So wie ich deine Frage verstehe, möchtest du so etwas wie ein Wahlcomputer haben, das das Diktat der Basis auch zwischen den Parteitagen aufzeigt, damit der Vorstand entsprechend agiert.

    Das bringt zum Einen die Frage, ob ein solcher Wahlcomputer Sinn macht. Ich kürze die Diskussion hier und stelle mich hinter der Meinung vom CCC. Die Jungs und Mädels dort haben schon lange Wahlcomputer für nicht möglich gehalten, da eine Wahl, wie sie in Demokratien üblich ist, mit einem Wahlcomputer nicht machbar ist.

    Also reden wir eh hypothetisch, denn eine Radikaldemokratie so, wie du sie definierst, ist nach heutigem Stand der Kenntnis bzw. der Technik nicht möglich.

    Für den hypothetischen Fall also, dass das Diktat der Basis mit einem Computersystem abbildbar wäre, würde man einen Vorstand, wie er heute bei den Piraten üblich ist (höchstes Entscheidungsorgan zwischen den Parteitagen, die Dank eindeutiges und direktes Votum der Basis unsere allerhöchsten Entscheidungsgremien sind) nicht nötig. Zum einen könnte man den Vorstand personell reduzieren, zum anderen braucht man dort Verwalter der Entscheidungen der Basis.

    Da ich jedoch kein Verwalter bin, sondern ein Macher, ein Bauender, wäre ich im Vorstand an der falschen Stelle. Wahrscheinlich würde ich weiterhin meine Meinung in verschiedenen Kanälen pusten, würde die Zeit und das Geld, die ich heute in die Vorstandarbeit stecke in andere piratige oder nicht-piratige Sache reinstecken (das Geld ginge wohl vermehrt an den Tierschutz. Die Zeit wohl 50-50 an Piraten und Tierschutz…)

    Der Vorstand, wie er heute definiert ist, sollte sich nur im Rahmen der Entscheidungen der Basis auf Parteitagen bewegen, so es diese gibt. Zusätzlich dazu hat jeder Vorstand vor der Wahl gesagt, was er vorhat zu tun oder zu unterlassen und wurde entsprechend gewählt. Da sich bei uns Piraten der Vorstand jedes Jahr zur Wahl stellt ist die Verweildauer schlechter Vorstände zeitlich eng gestellt. Was ein guter Kompromiss ist zwischen Realismus (Wie oft kann man eine Personalwahl machen, so daß die Basis mitmacht) und Radikaldemokratischer Gedanke (enge Kontrolle dessen, was die Personen tun). Die Rahmen der Basis, wie sie auf Parteitagen gesteckt sind, sind auch meine Aktionsrahmen. Die Meinungen, die ich in der Öffentlichkeit vertrete sind die der Basis. Egal, ob ich anderer Meinung bin oder nicht. Meine Meinung ist in der Öffentlichkeit nicht gefragt, sonder die der Piraten.

    Dass die Piraten deinem Wunsch nach Radikalität nicht entsprechen hast du mit deinem Austritt klar gestellt. Ich finde, sie gehen in Rahmen der Realität soweit wie sie können und bin gespannt auf Marina Weisbands Konzept der Entscheidungsfindung.

    Gut oder Schlecht? Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    Comment by Aleks A — 26. Juni. 2011 @ 07:39

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