PA134 behandelt ein sehr wichtiges Thema. Die EU ist organisch gewachsen. Ein Themenfeld führte dazu, dass man das nächste Themenfeld dazu holte, und das übernächste usw.
Fehlende langfristige Planung ist einer der Gründe für den Zustand der europäischen Institutionen. Ein weiterer ist mangelndes demokratisches und soziales Bewusstsein. Es dauerte bis 1979, bis das Europäische Parlament (EUParl) vom Volk gewählt werden konnte. Zunächst als Demokratie-Simulation gedacht, erkämpften sich die Parlamentarier schnell weitgehende Rechte. Man kann zwar beim EUParl lange nicht von einem vollwertigen Parlament reden, aber die Befugnisse, die sich die Parlamentarier seitdem erkämpft haben können sich sehen lassen.
Wo die EU tatsächlich nicht weit voran gekommen ist, ist im Aufbau eines tatsächlich sozialen Europas. Das liegt zum Einen am mangelnden Bewusstsein der Akteure, zum Anderen auch daran, dass die Mehrheiten in EUParl selten dafür gekämpft haben. Das gilt es zu ändern.
Doch zurück zum Antrag: Er will die Hürden für Europäische Volksentscheide senken. Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß, wie kompliziert es ist, in der EU überhaupt einen Volksentscheid in die Wege zu leiten. Leider geht der Antrag nicht in die Details, wie das zu geschehen hat und welche Verbesserungen wir uns vorstellen.
Etwas detaillierter ist der Vorschlag, was beim EUParl geschehen soll: “Das Europäische Parlament soll ein vollständiges Initiativrecht bekommen…” Absolut richtig.
Doch dann “…und insgesamt gestärkt werden”. Schon wieder keine weitergehenden Details. Eine weitere Verbesserung wäre es doch gewesen, dem Parlament das Recht zu geben, jeden einzelnen Kommissionar abzulehnen, ein Vetorecht gegen Entscheidungen und Vorschläge der Kommission oder des Europäischen Rates (nicht zu verwechseln mit dem Europarat) sowie dem (nicht gewählten) “Rat der Europäischen Union” (Die Ministerrunden, um es salopp auszudrücken) zu geben.
Auch die Rechte bei der Ernennung wichtiger Posten jenseits der Kommission sollten gestärkt bzw. überhaupt vorhanden sein. Kein wichtiger Posten innerhalb des Gefüges der EU sollte ohne ausdrückliche positive Abstimmung des Parlamentes bestimmt werden können.
Naja, bei einem nächsten Antrag werden wir hoffentlich solche Wünsche einbringen können.
Für Kenner der EU ist der nächste Satz im Antrag sehr wichtig: “Die legislativen Rechte liegen primär beim Parlament.” Das ist heutzutage nämlich nicht der Fall. Und bevor ich es euch hier umständlich erkläre verweise ich doch lieber auf die
Wikipedia. Nur so viel: Das Parlament teilt sich die Legislative mit dem oben erwähnten “Rat der Europäischen Union” und hat bei Handels-, Wettbewerbs-, Außen- und Sicherheitspolitk de facto nichts zu sagen. Angehört soll es dabei werden, mehr nicht.
Der nächste Absatz des Antrages ist Willensbekundung und Grundsatzbekundung zugleich. Piraten sollen sich dafür einsetzen, die “Integration zu vertiefen”, sowie eine vollwertige und “von den europäischen Bürgern beschlossen”e Verfassung bekommen.
Das ist wohl etwas sehr frei von der Leber geschrieben. Genau die Integration ist ein sehr wichtiges Thema, welches aber mit Vorsicht zu geniessen ist. Und dass hier die einzelnen Staaten sich mit Händen und Füssen wehren werden, ist vorauszusehen. Teilweise auch zurecht. Das undemokratische System Merkel umgeht das nationale Parlament regelmässig zugunsten von Entscheidungen “aus Europa”, die meist von der Kommission kamen und vom EUParl nicht besprochen wurden. Null demokratische Kontrolle also. Was Frau Merkel und den anderen sehr passt. Wäre schlimm, wenn das Volk plötzlich mitmischen würde….
Persönlich plätschert mir dieser Antrag zu sehr an der Oberfläche. Allerdings ist er wohl eher dafür gedacht, dass die Piraten überhaupt eine grobe Richtung festlegen, wie die Europa Politik auszusehen hat. Und in dem Sinne finde ich nichts falsches im Antrag, ausser der fehlenden Tiefe.