Revenge of the Dilettanten

Filed under: Internet-Ausdrucker,Konservative — Aleks A @ 12:30

WIR haben eine Enquete Kommission im Bundestag. Ich meine diese TOLLE Enquete Kommission zum Internet, die die Internet Ausdrucker als Feigenblatt aufgestellt haben um so zu tun, also ob sie das Internet verstünden oder zumindest den Versuch wagen würden.
Entsprechend schickt die CDU ihren besten Mann dorthin, so als Vorsitzender. Der kann dann mit seinem geballten Wissen die Diskussionen steuern. Naja, man darf ja noch träumen.

Also zurück zu Realität: Herr Axel E. Fischer (CDU), designierter Vorsitzenden der Enquete-Kommission des deutschen Bundestages “Netzpolitik und digitale Gesellschaft”, hat dem Deutschlandradio ein fast so entlarvendes Interview gegeben wie damals Frau Wieczorek-Zeul (SPD). Ihr wisst schon, die Ministerin mit einer Meinung zum Netz aber keine Ahnung, was ein Browser denn sei.

Im Interview entlarvt Herr Herrn Axel E. Fischer (CDU) seine Unfähigkeit zu erklären, was das Ziel der Enquete-Kommission sei (er erklärt nur allgemein, was eine Enquete-Kommission tut – Danke, das kann ich im Rudzio oder der Wikipedia auch nachschlagen). Das Internet ist für ihn eingeschränkt auf „Jugendschutzrecht“ und „Telekommunikationsrecht“.

Im Interview findet man solche Nuggets wie:
„Das Internet nimmt ja Einzug in den Wohnhäuser unserer Bürgerinnen und Bürger“ – Immerhin wurde er insoweit gebrieft, daß 70% der in Deutschland lebenden Menschen schon jetzt online anzutreffen sind. Ohja, und zu den wichtigsten Themen in Sachen Internet zählt er die „Breitband Verkabelungen“ (sic) „und vieles mehr“.

„Die Informationen zu Netzpolitik hole ich mir überwiegend aus dem Netz heraus, das ist völlig klar“ sagt er. Aber Details dazu will (kann?) er nicht preisgeben. Heise, Telepolis, Netzpolitk sind ihm anscheinend kein Begriff. „Online Foren bis hin zu Wikipedia“ seien seine Quellen. „Natürlich auch Suchmaschinen“. Sein Schweigen, als er nach konkreten Beispielen gefragt wird, sprich Bände. Danach rettet er sich mit dem Feigenblatt „Das sind so viele…“

Zu den akutesten Themen der Internet Politik äußert sich Herr Axel E. Fischer (CDU) ähnlich schwammig: „Verbraucherschutz“, „Kultur, Bildung, Forschung“ („inklusive e-Learning“), die „Veränderung der Gesellschaft“… Hoffentlich bringt diese Veränderung auch ein Wegspülen der Dilettanten aus den Parlamenten.
Achja, „Das Internet wird unsere Arbeitswelt verändern“. Ja Herr Fischer, Ihre hoffentlich sehr bald, nach diesem höchst peinlichen Auftritt.

„Für die Zukunft Deutschlands könnten wir im Internet wirtschaftlich voran kommen“. Liquid Democracy kennt er nicht (was wirklich nicht schlimm ist, das Konzept kannte unsereins vor einem Jahr nicht, und verstanden habe ich es erst von einem halben), und gibt es auch nicht zu (ein deutliches Zeichen eines Dilettanten). Er verfängt sich in Überlegungen zu Electronic Voting, die mit Liquid Democracy nicht unbedingt was zu tun haben.

Gefragt, wieso ausgerechnet er den Vorsitz wohl bekommen hätte, spricht er davon, daß er ja schon Mal eine Enquete-Kommission geführt hätte (Hui!), ja sogar Maschinenbau studiert hätte (Huiui!). Noch dazu hat er in diesem Parlament der Internet Ausdrucker schon verschiedene Projekte über das Internet geführt (Im Reich der Blinden…). Immerhin, so viel Selbsteinschätzung (und Anstand?) bleibt ihm übrig: als er gefragt wird, ob er sich als „Netzexperte“ sehen würde vermeidet er eine Antwort zur Frage.

Abgeordnetenwatch.de benutzt er genauso wenig wie Herr Bosbach. Er wiederum, weil er da nicht wüßte, mit wem er redet (hat er sich jemals die Site angeschaut?) und weil es nur ein Forum von vielen wäre und er entsprechend vermeiden will „bei so vielen Foren mitzumachen“. Ne, wirklich, da könnte ja jeder kommen…

Von Transparenz hält er nicht viel. Sonst könnte der Bürger ja mitbekommen, daß man sich „um ein Komma gestritten hat“ (Wenn’s dir so peinlich ist, wieso streitest du dich um ein Komma?) oder daß man interne Gespräche mit subsequenten Resultaten geführt hat. (Kann ihn jemand bitte ein Wörterbuch unter der Nase halten, damit er „Transparenz“ nachschlagen kann? GENAU DAS wollen wir wissen. Keinen JMStV im stillen Kämmerlein mehr!)

Markus Heidmeier und das Deutschlandradio haben hier ein schönes Beispiel von echtem Qualitätsjournalismus geliefert. Er hat Herrn Axel E. Fischer (CDU) reden lassen und somit vorgeführt. Hätte der Parlamentarier sich an das Nuhr’sche Prinzip gehalten, wäre das Interview weniger entlarvend geworden. Ich kann nur hoffen, daß padeluun, Markus Beckedahl und Constanze Kurz kräftig weitere Lächerlichkeiten der Enquete-Kommission von sich geben. (Unterschreibt JA BLOß KEIN NDA!)

Da ich davon ausgehen muß, daß andere Parlamentarier mit genau soviel Kenntnis an ihre Bereiche rangehen wir Herr Axel E. Fischer (CDU), wird mir die Politik der letzten 30 Jahre viel, viel verständlicher. Mit seiner Einsetzung als Vorsitzender der Enquete-Kommission hat die CDU Mal wieder gezeigt, wie unwichtig ihr das Netz und die Netizens sind.

Ob er weiß, was denn ein Browser sei – nein, das hat er uns Axel E. Fischer (CDU) leider nicht verraten. Ich befürchte, ich weiß die Antwort.

1 Kommentar »

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