Eier inner Hose

Filed under: Bürgerrechte — Aleks A @ 10:52

Polizist ist ein harter Job: Schichtdienst, trotz aller Sonntagsreden miserabel bezahlt. Man wird zum Büttel der Politik gemacht, man reibt sich auf. Man sieht üble Kollegen, die nicht bestraft werden. Man wird auch sonst tagtäglich mit dem Bösen konfrontiert.

Polizisten wachsen nicht auf Bäume, gute noch weniger. Da sollte man meinen, dass man als Staat (ja, ich weiß, Landessache) zusieht, dass man die Besten mit Handkuss nimmt. Schließlich bedarf es einer großen Charakterfestigkeit und der starken Neigung zu Werten wie Recht und Ordnung, um den Beruf zu ergreifen. Wegen des Geldes macht man’s nicht, im Gegensatz zu Bänker und etablierte Politiker.

Doch in Hessen muß man wohl „seinen Kerl“ stehen. Man muß wortwörtlich Eier in der Hose haben. Wie sonst ist es zu erklären, daß ein transsexueller Mann, einer der Besten seines Jahrgangs an der Polizeischule, wegen einer medizinischen Idiotie nicht Polizist werden darf? In der „Polizeidienstverordnung 300“ (von 1998, gültig für Bund und Länder) findet man einen Satz, den ich für 1898 verstanden hätte, aber nicht für 1998: „Wenigstens ein Hoden soll hormonell funktionsfähig sei.“ damit man als Polizist agieren kann.

Bitte was? Wer schreibt denn so ein hirnrissiger Blödsinn in eine Verordnung? Wohl jemand, der erst zähneknirschend akzeptiert hat, dass nun auch Frauen Polizist sein dürfen. („Ich sag’s dir, zuerst wollen sie das Wahlrecht haben, jetzt auch noch Polizist werden. Wo wird das wohl enden!“). Und so verbieten wir einem Bürger Polizist zu werden, der mental, physisch und in der Ausbildung zu den Besten des Jahrgangs gehört, nur weil er keine „Eier in der Hose hat“. Ja, schreiben wir denn 1950? Sind wir als Gesellschaft tatsächlich so wenig entwickelt? Oder ist es eher das Beamten- und Politikapparat, das uns die „Polizeidienstverordnung 300“ kurz vor der Jahrtausendwende geschenkt hat?

Ich finde, als Bürger, als Mensch, als Demokrat sollte man eine solche Verordnung verteufeln, bei der solches Gedankengut herrscht. Als Pirat werde ich ganz klar gegen solchem Gedankengut kämpfen, wo auch immer ich ihn finde. Und bei der Polizei sollte es der allerletzte Platz sein, bei dem man solch menschenverachtende Gedanken findet.

Und wenn die Polizei so viel Wert auf die „hormonelle Verlässlichkeit“ legt (Zitat Peter Freier, Sprecher der Hessischen Bereitschaftspolizei), sollte sie sich mit ihren Prügelpolizisten auseinandersetzen. Wenn bei denen die Hormonen nicht aus dem Takt geraten sind, dann weiß ich auch nicht.

Ich wünsche dem Betroffenen auf jeden Fall viel Erfolg mit seiner Klage beim Bundesverfassungsgericht.

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